Editorial
Operative Hektik
Ich weiß nicht sicher, wer den Spruch „Operative Hektik ersetzt geistige
Windstille!“ geprägt hat – gut anwenden lässt er sich jedoch auf das, was sich
die Politik zur aktuellen Energiepreis-Diskussion einfallen lässt. „Geistige
Windstille“ umschreibt an dieser Stelle vor allem die Konzept- und noch deutlicher
die Machtlosigkeit. Und man macht es sich einfach: Plötzlich sieht es
wieder so aus, als stelle die Kernenergie das Allheilmittel dar. Aber auch hier
fehlen Weitsicht und Konzept. Die Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle
bleibt wie schon immer ungeklärt und über die Größe der Uran-Ressourcen gibt es lebhafte Diskussionen.
Was bleibt also Unternehmen oder Privatleuten? Eigentlich nur die Suche nach Einsparmöglichkeiten. Gut
gefallen hat mir ein Hinweis auf einer Tagung: Gehen sie doch mal nachts, wenn alle Anlagen stehen, durch
die Fertigung, und hören Sie mal, wo überall Druckluft austritt und so ungenutzt verloren geht. Trivial?
Vielleicht. Aber einfach zu beheben – ohne Hektik, ohne großen Aufwand, ohne neue Steuern, Ämter und
Verordnungen. Und zum Schluss sei die Frage erlaubt: Kommt die Energiepreiskrise wirklich so plötzlich
und überraschend? Ich denke nein.
Ihr Steffen Pospischil
